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Nachtgestalten

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Regie: Andreas Dresen (1999)

Drehbuch: Andreas Dresen

Produktion: Peter Rommel Productions

Darsteller: Myriam Abbas (Hanna), Dominique Horwitz (Victor), Michael Gwisdek (Peschke), Ricardo Valentim (Feliz), Susanne Bormann (Patty), Oliver Breite (geb. Bäßler) (Jochen), Ade Sapara (Ricardo), Imogen Kogge (Rita), Josefine Leuschner (Rote), Daniela Dietze (Fahrerin)

Susanne Bormann war für die Rolle der Patty für den Deutschen Filmpreis nominiert.

IMDB  OFDb  filmportal.de  Trailer bei Kino.de

DVD
Die DVD von Arthaus/Kinowelt ist inzwischen vergriffen. Am 12. August 2015 erscheint eine Neuausgabe (mit digitaler Neuabtastung!) beim Pandora Filmverleih. Die DVD enthält umfangreiches Bonusmaterial, darunter einen sehr empfehlenswerten Audiokommentar des Regisseurs Andreas Dresen. Selbst wer den Film gut kennt, wird dabei noch neue Facetten entdecken.

Das Buch zum Film
Andreas Dresen, Torsten Schulz: "Nachtgestalten" ist 1999 beim Aufbau-Verlag erschienen. Es ist inzwischen vergriffen, aber noch antiquarisch zu finden (ISBN: 3746615925). Das Buch enthält auch ein Interview mit Susanne Bormann zum Film sowie zahlreiche Bilder.

Inhalt

Während ganz Berlin sich auf den bevorstehenden Papstbesuch vorbereitet, driftet eine Hand voll Menschen durch die nächtliche Stadt. Da wäre zum Beispiel das obdachlose Paar Viktor und Hanna, die 100 Mark finden und beschließen, sich damit einmal eine Nacht in einem richtigen Bett zu gönnen. Dann gibt es da noch die Prostituierte Patty mit ihrem ebenso gutmütigen wie naiven Freier Jochen, der vom Land nach Berlin gekommen ist, um eine Frau zu finden. Oder aber der leitende Angestellte Peschke, der am Flughafen einen kleinen Jungen aus Afrika kennen lernt – und ihn nicht mehr los wird. Auf ihrer Odyssee durch die nächtliche Metropole schlittern diese und andere Charaktere in teils amüsante, teils dramatische Situationen.


Der Film skizziert das nächtliche Berlin anhand dreier "Paare" und einer Gruppe Jugendlicher. So unterschiedlich sie sein mögen, vereint sie eines: Sie alle stehen nicht auf der Sonnenseite des Lebens - Nachtgestalten eben. Dabei steht dem zumindest äußerlich recht gut situierten Peschke (Michael Gwidsdek) einerseits die junge Prostituierte Patty (Suanne Bormann) als wohl hoffnungs- und perspektivloseste Figur gegenüber. Sie begegnet in dieser Nacht dem Freier Jochen (Oliver Breite), der vom Land nach Berlin gekommen ist, um dort Sex zu erleben - der eigentlich aber etwas ganz anderes, nämlich Liebe und Zuneigung sucht.

Filmclip mit Click auf das Bild (DivX-avi, 26 MB) Für die Wiedergabe können Sie den kostenlosen Real Player verwenden.

Susanne Bormann - Nachtgestalten avi-clip

 

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Susanne Bormann als Patty in Nachtgestalten

Susanne Bormann in Nachtgestalten

"N' Abend. Wo soll et hinjehn?"
"Also... Sie wissen doch bestimmt... wo hier ... wat los ist..."
"...Wat haste dir denn vorjestellt?"
"......Mein Gott, wo man ... Jemand kennenlernen kann, nich?"

Susanne Bormann in Nachtgestalten

"Willste ficken?"
"Was?"
"Siehst aus, als wenn Du was zum Ficken suchst?"
"Also wie ... Wie kommst du denn darauf...?"




Susanne Bormann in Nachtgestalten

Zimmer 3, im Stundenhotel:
"Erst die Kohle. Mit Ausziehn zwanzig extra."




Susanne Bormann in Nachtgestalten

"Hör auf."
"Scheiße, zu kalt, was?"
"...Ich will das nicht"
Du hast bezahlt, also wirst du auch anständig bedient.Okay?


Susanne Bormann in Nachtgestalten

"Ich mach dir'n Angebot. Du legst nochmal ... fünfhundert drauf und hast mich für die ganze Nacht. Ich zeig dir alles. Wohin Du willst und was du willst."



Susanne Bormann in Nachtgestalten

Jochen ist auf das Angebot eingegangen.

"Du hast mich doch bezahlt... "
"Trotzdem"





Susanne Bormann in Nachtgestalten

In der "WG". Endlich kann sich Patty spritzen. Als Jochen sie entdeckt, ist er fassunglos.



Susanne Bormann in Nachtgestalten

"Was du da machst, möcht ich wissen"
"Sag mal spinnst du?"
"Ob ich spinne? Was ist denn das für'n Zeug, was du da nimmst?"



Susanne Bormann in Nachtgestalten

...und im Fernseher predigt der Papst.
---
"Glaubst du, dass man in' Himmel kommt, wenn man tot ist"
"Oder in die Hölle"
---
"Wenn du willst, hol ich dich raus hier"



Susanne Bormann in Nachtgestalten

Am nächsten Morgen. Kurze Gelegenheit, an Jochens Geld zu kommen.
Immerhin: Ein Schein geht zurück.



Susanne Bormann in Nachtgestalten

"Ach, meine Adresse werd ich dir mal noch geben ..   kann ja sein, dat du mal vorbeikommst, ne."
Eine Illusion: Patty hat die Adresse schnell entsorgt und ist schon wieder auf ihrem Weg.



Bilder und Filmclip mit freundlicher Genehmigung des Produzenten Rommel Film.


Als Zuschauer gesehen

Nachtgestalten ist ein wunderbarer Film. Einerseits zeigt Andreas Dresen kompromisslos und brutal die Härte des Straßen- (und des Geschäfts-)lebens, andererseits unverfälschte und manchmal sehr spontane Gefühle. Von diesem Spannungsfeld lebt der Film. Faszinierend, wie vielschichtig Dresen Menschen beschreiben kann, die es, aus welchem Grund auch immer, "nicht geschafft haben".

Peschke stagniert beruflich, Jochen scheitert beim Aufbau von Beziehungen und die jugendlichen Autodiebe sind unfähig, sich in eine Gesellschaft zu integrieren, die sie ablehnen. Dennoch: Am gründlichsten ist wohl die von Susanne Bormann gespielte Patty gescheitert: Anders als Peschke, Jochen, ja sogar die obdachlose Hanna, für die man sich durchaus eine Zukunft vorstellen mag, fällt es bei Patty schwer daran zu glauben - im Grunde hat sie sich wohl schon selbst aufgegeben. Anschaffen, Heroin besorgen, Spritzen, wieder Anschaffen - was für ein Teufelskeis! Faszinierend, wie es Susanne Bormann in dem für sie fremden Milieu gelungen ist, die Härte, Kälte (hervorragende Metapher: das Mädchen friert ständig!) - und letztlich auch die Hoffnungslosigkeit der Patty zu vermitteln.

Eigentlich schade, dass Susanne Bormann seither eher selten in so anspruchsvollen Rollen besetzt wurde; von den neueren Filmen mit ihr geht eigentlich nur Jan Bonnys (auch stilistisch verwandter) Debütfilm Gegenüber in diese Richtung. Überhaupt ist in den Nachtgestalten ein großartiges Schauspielerensemble versammelt. Schwer, jemanden besonders hervorzuheben, aber Michael Gwisdeks Silberner Bär bei der Berlinale war zweifellos ebenso verdient wie Susanne Bormanns Nominierung für den Deutschen Filmpreis.

Obwohl sich die Handlung fast ausschließlich nachts und zudem eher an unansehnlichen (oft Original-)Schauplätzen abspielt, geht von dem Film eine erstaunliche Faszination aus. Schwer zu sagen, woran das liegt. An technischen Mitteln, etwa am Schnitt oder an den oft ungewöhnlichen Kameraperspektiven? An den kleinen Pointen, die oft aufblitzen, oder doch eher an den Schicksalen selbst? Wahrscheinlich ist es das gut abgewogene Verhältnis, das das Besondere der Nachtgestalten ausmacht und dafür sorgt, dass der Film nie "kippt" und man ihn mit Vergnügen anschauen kann.

Andreas Dresen hat nie erwartet, dass der Film die Gesellschaft umwälzen würde, aber sicher hat er manchen und zumindest mich zum Nachdenken angeregt: Hättest Du die beiden Obdachlosen ins Taxi einsteigen lassen? Hättest Du den Negerjungen mitgenommen oder dich doch eher elegant aus der Affäre gezogen?

Ein Film ganz ohne Mängel also? Ob die Auto-Apokalypse am Schluss notwendig war, mag man unterschiedlich beurteilen - zumindest die Blicke in die Gesichter der Jugendlichen bleiben haften. Aus meiner Sicht zählen die Nachtgestalten jedenfalls zu den besten Filmen, in denen Susanne Bormann bisher zu sehen war - und übrigens auch zu den besten, die Andreas Dresen bisher gedreht hat. (MB)


Presse

Es hat lange gedauert, bis der Film produziert werden konnte, und Andreas Dresen hat mit seinem Produzenten Peter Rommel zäh um ihn ringen müssen. Lange fand sich dann kein Verleih; den Durchbruch - und mehrere Preise und Nominierungen dort und danach - brachte schließlich die Berlinale 1999. Anschließend hat die Presse den Film sehr gelobt, als er schließlich ins Kino kam, war die Zuschauerresonanz aber doch eher verhalten. Umso erfreulicher, dass Kinowelt ihn schließlich, noch dazu mit wirklich gutem Bonusmaterial, auf DVD allgemein zugänglich gemacht hat. Hier einige Pressestimmen:

Eine ausgezeichnete Schilderung des Milieus, in dem sich die von Susanne Bormann dargestellte Patty bewegt, bietet die Berliner Zeitung in ihrem Artikel "Die wollten, dass alles schmuddelig wirkt": Dem Artikel liegt ein Interview mit Monika Fiedler zugrunde, die die Wirtin des Stundenhotel spielt: "Ihr wollt ein Zimmer? Dann bekomme ich 20 Mark von euch."

Eine wunderschöne Rezension gibt es bei Kinofenster.de: "Aber das ist Beckmesserei an diesem Film, der mitten in der Wirklichkeit landet, ganz ohne Politappell, dafür mit Geschichten, die den Zuschauer anrühren und wach machen für das, was ihm auf den nächtlichen Straßen der Großstädte begegnet."

Die Zeit hat den Film gewohnt gründlich analysiert und folgert: "Andreas Dresen ... ist deswegen ganz gewiss kein Regisseur für Ossi-Themen. Aber etwas anderes ist ihm gelungen, was Nachtgestalten vielleicht zu einem der wichtigsten Filme dieser Jahre machen wird. Er hat etwas von einem humanistischen Realismus für unsere Kinematografie gerettet, für den es im Westen kaum eine Chance gab. ... Die Zärtlichkeit des Regisseurs erschöpft sich nicht in der Liebe zu seinen Figuren und in der Schauspielerführung..."

Eine ebenfalls lesenswerte Rezension aus der Nürnberger Zeitung bietet Nordbayern.de: "Schonungslos präsentiert Andreas Dresen die Innereien unseres Sozialstaats.... Es sind im Grunde bekannte Bilder, Szenen wie sie in jeder Großstadt an jedem Tage in tausenderlei Variationen vor sich gehen. Zaghafte Hoffnungen, große Ungerechtigkeiten, aussichtslose Visionen, blinde Wut, und das sehr kleine Glück."

Eine - wie üblich - hervorragende Besprechung aus dem Filmdienst findet sich auf Filmportal.de: "Wann saß man zuletzt in einem deutschen Film, dessen Ende man gerne hinausgezögert hätte, weil man von seinen Gesichtern und Geschichten nicht lassen will?"

Von den erstzunehmenden eher kritischen Einschätzungen sollte vielleicht die von Filmzentrale.de als Kontrapunkt nicht unerwähnt bleiben: "Der Film bleibt dogmatisch, weil er zwar durchaus konsequent jedes Happy End vermeidet, seinen Pessimismus aber nicht entwickelt. Es kann nicht berühren, am Ende eines Filmes alle Personen desillusioniert zu finden, wenn bereits der Filmanfang ihre Hoffnungslosigkeit behauptet."

Susanne Bormann hat sich (u.a.) zur Rolle der Patty im Filmmagazin Schnitt geäußert: "Patty ist ohne Hoffnung, etwas, von dem ich persönlich mich ernähre. Sie hat so gar nichts Kokettes an sich, sie ist total trocken, rauh und trotzdem auf eine Art vielleicht sogar lieber als ich."


Seitentitelbild: © Cover der DVD Nachtgestalten, mit freundlicher Genehmigung von Kinowelt.

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