Friedrich Schiller: Die Räuber
Regie: Georg SchmiedleitnerBesetzung: Frank Damerius (Maximilian Graf Moor), Dirk Nocker (Karl Moor), Andreas Uhse (Franz Moor), Susanne Bormann (Amalia von Edelreich), Pius Maria Cüppers (Spiegelberg), Thomas L. Dietz (Schweizer), Nicola Lembach (Razmann), Constantin Lücke (Schufterle), Stefan Lorch (Roller), Susanne Bormann (Kosinsky), Hartmut Neuber (Hermann), Frank Damerius (Ein Pater), Gert Kaiser/Stefan Nast-Kolb/Werner Treiber (I Masnadieri)
Inhalt
Franz Moor, jüngerer und von der Natur benachteiligter Sohn
des Grafen Moor, spinnt eine ebenso kühl kalkulierte wie
perfide Intrige: Durch einen gefälschten Brief macht er den
Vater glauben, sein geliebter Erstgeborener, Karl, der in
Wirklichkeit des Vaters Vergebung sucht, stürze fern vom
Elternhaus die Familie in Schande. Der alte Moor lässt sich
von dem Intriganten täuschen und überlässt Franz die
briefliche Antwort an Karl. Der Zweitgeborene verfasst eine
pardonlose Verfluchung. Wie der Vater, fällt auch Karl sofort
auf die Täuschungen der Kanaille Franz herein und erklärt sich
in einer Geste der Verzweiflung und des Trotzes zum Hauptmann
einer Bande Räuber und Mörder in den böhmischen Wäldern.
Franz’ üble Nachrede wird so zur fatalen Wahrheit. Karl, der
pathetische Rebell, zunächst Verfechter einer gerechteren
Ordnung, wird zum schuldbeladenen Mörder. Unterdessen arbeitet
Franz im heimatlichen Schloss weiter an seinem Aufstieg zur
Macht. Der Vater geht plangemäß an der Trauer über den
verlorenen Sohn zugrunde, nur Karls Braut Amalia hält diesem
unverbrüchlich die Treue und Franz’ Zudringlichkeiten stand.
Doch die Tragödie, geboren aus skrupellosem Existentialismus,
mangelndem Vertrauen und fehlgeleitetem Idealismus, ist nicht
mehr aufzuhalten ...Mit den Räubern schuf Schiller ein ungemein impulsives und kraftvolles Stück, das die Familientragödie und das politische Drama in einer Erzählung um Auflehnung gegen Autorität und bürgerliche Ordnung vereint. Es werden über die gegensätzlichen Haltungen der Figuren auch zeitlose Fragen verhandelt: Was ist vom idealistischen Kampf für eine vermeintlich große Sache zu halten, wenn dieser um den Preis der Menschlichkeit des Einzelnen erfolgt? Wer kann sich anmaßen, zu entscheiden, was eine gerechtere Gesellschaft ist?
Friedrich Schiller (1759-1805) begann 1777, als nicht einmal Zwanzigjähriger, neben dem Studium heimlich die Arbeit an den Räubern. Das Sturm und Drang-Werk wurde ein Jahr später, am 13. Januar 1782, am Mannheimer Nationaltheater uraufgeführt. Die Aufführung wurde ein triumphaler Erfolg, das Drama begann einen Siegeszug über deutsche Bühnen, der jedoch immer von Zensur begleitet werden sollte. Schillers wichtigste Dramen: Kabale und Liebe (1784), Don Carlos (1787), Wallenstein (1799), Maria Stuart (1800), Die Jungfrau von Orleans (1801), Wilhelm Tell (1804). (mit Dank vom Staatstheater Nürnberg)
Susanne Bormann als Amalia von Edelreich in Die Räuber








(Alle Photos sind © Marion Bührle, mit herzlichem Dank. Klick oder "Ziel speichern als" für hochaufgelöste Versionen; Größe jeweils ca. 2 MB.)
Kritik
Georg Schmiedleitners Inszenierung der "Räuber" ist bei der Kritik - und beim Publikum - auf sehr unterschiedliche Resonanz gestoßen. Ein wesentlicher Kritikpunkt waren die recht gewalttätigen Eingangszenen. Hier einige Pressestimmen:
Die Süddeutsche Zeitung erinnert daran, dass Schillers Stück auch zur Uraufführung neben begeisterter Zustimmung Widerspruch erregte. "Der Ansatz ist genial: Auf die Bühne kommen keine „Räuber“, sondern Spaßterroristen, die sich über Schiller hinwegsetzen und das Publikum mit öden Hanswurstiaden zur Weißglut treiben."Die Nürnberger Zeitung schreibt: "Der Grundgedanke des Regisseurs Georg Schmiedleitner ist gut, ja geradezu genial".
Kritischer äußern sich die Nürnberger Nachrichten: "Hier wird unsere Sache verhandelt...Was die genau sein soll, wird allerdings nicht so recht klar".
Susanne Bormann in den Theaterlandschaften

Susanne Bormann hat sich in der Sendung Theaterlandschaften: Nürnberg selbst zu der Inszenierung geäußert. Klick auf das Bild oben führt zu einem kleinen Videoclip aus der Sendung (Quelle: ZDF Theaterkanal - mit herzlichem Dank für die Genehmigung) DivX-avi, 3 MB. Für die Wiedergabe können Sie den kostenlosen Real Player verwenden.
Daniel Carta (
Was mir gefallen war, dass die
Zuschauer von Anfang an durch direkte Anrede und kleine
Scherze in das Stück mit einbezogen wurde. Die erste Reihe
bekam z.B. erst mal eine Plane aus durchsichtiger Folie damit
sie sich vor Wasserspritzern und dem Saft der bisweilen von
den Schauspielern zweckentfremdeten Früchte schützen konnten.
Wobei es aber natürlich gut sein kann, dass diese Einlagen
(sowie die meiner Meinung nach relativ harmlose Vergewaltigung
und die in dem Clip aus den Theaterlandschaften kurz zu
sehende Nacktszene) von älteren bzw. konservativeren
Jahrgängen als neumodische bzw. aufgesetzte Provoziererei
interpretiert werden.
Auch was die Schauspieler anbelangt
hatte ich einen sehr positiven Eindruck.
Vor allem
Susannes ausdrucksstarke und hingabevolle Performance hat mich
(sowie meine drei Begleiter) völlig vom Hocker gehauen. Wobei
zumindest ich da nicht wirklich als objektiver Beobachter
tauge...
Das Bühnenbild war relativ einfach
gehalten was wohl nicht zuletzt daran lag, dass das Stück ohne
Unterbrechungen durchgezogen wurde und somit größere Umbauten
nicht möglich (und letzten Endes auch nicht von Nöten) waren.
Seitentitelbild: © Marion Bührle, mit herzlichem Dank
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